Die Biene ist ins Fadenkreuz der »neuen Gentechnik« geraten. Unter dem Vorwand sie schützen zu wollen, greifen Biotechnolog*innen tief ins Erbgut der Honigbiene ein. Mit sogenanntem »Genome Editing« soll das nach Rind und Schwein drittwichtigste Nutztier gentechnisch »optimiert« werden.

So soll beispielsweise mit genveränderten Darmbakterien in das Immunsystem der Honigbiene eingegriffen werden, um sie vor Krankheiten zu schützen. Andere Gentechnikfirmen arbeiten daran, das Erbgut der Biene mit der »Gen-Schere« CRISPR/Cas resistenter gegen Pestizide zu machen. Die Überlegungen gehen sogar so weit, Bienen gentechnisch so zu manipulieren, dass sie durch gezieltes Ein- und Ausschalten von Genen zur Bestäubung auf ausgewählte Felder gelenkt werden können. Das dafür vorgeschlagene gentechnische Verfahren namens »Gene Drive« ist schlimmstenfalls in der Lage, ganze Arten auszulöschen. Selbst der Entwickler der Gene-Drive-Technologie Kevin Esvelt warnt: »Ich habe die Büchse der Pandora geöffnet.«

Nicht die Biene muss verändert werden, unser Verhalten muss sich ändern!

Um Umwelt und Verbraucher*innen vor den unkalkulierbaren Risiken zu schützen, die mit der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen (GVO) verbunden sind, hat der Europäische Gerichtshof 2018 entschieden, dass auch die »neue Gentechnik« als Gentechnik reguliert und gekennzeichnet werden muss. Dieses Urteil möchten Gentechnikfirmen aufweichen, um beispielweise die Umweltrisikoprüfung für neue Gentechnik auszusetzen. Dabei ist bereits die bestehende Zulassungsprüfung für GVO „sehr industriefreundlich“. (Dr. Angelika Hilbeck, ETH Zürich, Beirat der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler)

Imker*innen und Wissenschaftler*innen fordern daher von der Bundesregierung: Gemäß dem Vorsorgeprinzip der EU darf es keine Freisetzung genveränderter Organismen geben, deren Ausbreitung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann. Es muss die einfache Regel gelten, nichts freizusetzen, was nicht aus der Umwelt zurückgeholt werden kann. Das Vorsorgeprinzip muss für alle Organismen der alten und der »neuen« Gentechnik gelten. Gleiches gilt für die Kennzeichnungspflicht für Gentechnik, die Transparenz sowie Wahl- und Gentechnikfreiheit für Verbraucher und Erzeuger gewährleistet.

Wissenschaftler warnen vor unverantwortbaren Risiken

Als offenstes aller landwirtschaftlichen Produktionssysteme ist die Imkerei in besonderem Maße von den Verfahren der neuen Gentechnik betroffen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Versuche mit gentechnisch veränderten Darmbakterien zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten warnt Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin: „Da Bakterien außerordentlich schnell mutieren, lässt sich nicht ausschließen, dass sie ihre Wirkungen auf andere Tiere und den Menschen übertragen. Welche Auswirkungen damit verbunden sein können, ist nicht vorherzusehen. Aus diesen Gründen halte ich die Anwendung dieser Methode außerhalb des Labors für nicht verantwortbar.“

Insbesondere für »Gene Drives«, ein gentechnisches Verfahren, mit dem die natürlichen Vererbungsregeln außer Kraft gesetzt werden können, braucht es ein weltweites Freisetzungsverbot. Denn mit dieser Technik lassen sich wildlebende Arten gentechnisch manipulieren und ausrotten, was im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme führen könnte. Dr. Doug Durian-Sherman, Senior Scientist Consultant SET LLC USA, sagt deshalb über Gene Drives: »Ich denke, jetzt brauchen wir wirklich ein Moratorium für jegliche reale Nutzung.«

Das Übel an der Wurzel packen: Die Ursachen des Artensterbens bekämpfen

Um die Biene und andere Arten zu schützen, müssen die Ursachen des Artensterbens bekämpft werden. Diese hat der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) klar dokumentiert und benannt. Verantwortlich sind Eingriffe des Menschen in die Natur wie Flächenfraß, Klimawandel und der übermäßige Einsatz von Pestiziden. Eine pestizidgestützte Landwirtschaft, die mit Hilfe der neuen Gentechnik eine »pestizidresistente« Honigbiene züchten will, ignoriert wissentlich die Auswirkungen von Pestiziden auf Wildbienen und andere Insekten. Bereits jetzt sind von den rund 560 Wildbienenarten in Deutschland die Hälfte stark bedroht. Und Experten warnen: »Gentechnik könnte das Artensterben noch beschleunigen«, so Dr. Christoph Then, Geschäftsführer des Vereins Testbiotech e.V. – Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie. Die Natur an den Menschen anpassen zu wollen, ist eine Sackgasse. Nicht die Natur, nicht die Biene muss verändert werden, unser Verhalten muss sich ändern. Wir brauchen nicht noch mehr Manipulation an der Natur. Was wir brauchen, ist mehr Respekt gegenüber der Natur und ihren komplexen Ökosystemen.

Wir fordern von der Bundesregierung

1.

Schützt die Biene vor Gentechnik! Keine Deregulierung der neuen Gentechnik!

Mit der der neuen Gentechnik kann viel tiefer ins Genom eingegriffen werden als bisher. Das Gentechnik-Grundsatzurteil des EuGH darf daher nicht dereguliert werden. Auch »neue« Gentechnik ist Gentechnik.

2.

Vorsorgeprinzip & Wahlfreiheit für Bürger*innen und Verbraucher*innen!

Gemäß dem Vorsorgeprinzip der EU darf es keine Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen (GVO) geben, deren Ausbreitung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann. Es darf nichts freigesetzt werden, was nicht zurückgeholt werden kann. Jede Gentechnik muss risikogeprüft, zugelassen und gekennzeichnet werden. Nur so haben Verbraucher*innen die Wahlfreiheit, keine Lebensmittel mit GVO zu kaufen.

3.

Keine Freisetzung von Gene Drive Organismen!

Entsprechend der Resolution des Europäischen Parlaments, das ein weltweites Moratorium für die Freisetzung von Gene Drive Organismen fordert, muss auch die Bundesregierung auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention für ein Gene Drive Moratorium eintreten.

Nicht die Biene muss verändert werden, unser Verhalten muss sich ändern. Wir brauchen keine Genmanipulationen an Biene und Natur. Was wir brauchen, ist mehr Respekt vor der Natur und ihren komplexen Ökosystemen. Was wir brauchen, ist eine echte Agrarwende und mehr Ökolandbau, um Bauern und Bienen zu retten und um das Artensterben zu stoppen.

Kurzinfo Biene und neue Gentechnik

Crispr/Cas, »alte« und »neue« Gentechnik: Was ist das?

Die »alte« Gentechnik und die »Gen-Kanone«

Mit der »alten« Gentechnik werden artfremde Gene in das Erbgut eingeschleust – mit dem Ziel, Pflanzen bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Pflanzen und Tiere werden dabei nicht als Ganzes gesehen, sondern auf die Funktion einzelner »Gen-Bausteine« reduziert. Die natürlichen Mechanismen von Vererbung und Genregulation werden dabei umgangen. Mithilfe der sogenannten »Gen-Kanone« wird zum Beispiel ein Gen eines Bakteriums in das Genom einer Pflanze eingebracht. Auf diese Weise wird der Pflanze eine Eigenschaft des Bakteriums aufgezwungen. Etwa die Resistenz gegen ein Pestizid. Darüber hinaus entstehen aber oft auch weitere, ungewollte Veränderungen und unerwartete Wechselwirkungen. Denn mittels Gentechnik werden Organismen mit biologischen Eigenschaften erzeugt, die nie von der Evolution erprobt wurden.

Bei der »transgenen« Maissorte Mon810 wurden so Gene aus Bodenbakterien in das Mais-Genom eingeschleust, um den Mais selbst ein Gift (Bt-Toxin) gegen »Schadinsekten« produzieren zu lassen. Allerdings entwickelten die »Schädlinge« Resistenzen gegen die Bt-Gifte. Unkräuter entwickelten sich zu Bt-resistenten Superunkräutern. Als Folge müssen auf Bt-Mais-Feldern zusätzliche Spritzmittel eingesetzt werden. Auch wirken BT-Toxine nicht nur auf die jeweiligen »Zielorganismen« wie Maiswurzelbohrer oder Maiszünsler, sondern auch auf Schmetterlingsraupen, Bodenlebewesen, Wasserorganismen und Bienen. Die Folgen für das Ökosystem und für die Gesundheit von Mensch und Tier sind dabei nicht abschätzbar, zumal eine unkontrollierte Ausbreitung und Auskreuzung von Genpflanzen vielfach bereits nachgewiesen wurde.

Die »neue« Gentechnik und Crispr-Cas

2012 entdeckte die Biologin Emmanuelle Charpentier eher zufällig, dass einige Bakterien einen besonderen DNA-Reparaturmechanismus besitzen, um sich gegen Viren zu verteidigen: Crispr. Mit diesem Mechanismus und dem DNA-schneidenden Enzym Cas9 sind Gentechniker in der Lage, gezielt Gene zu entfernen, einzufügen oder auszuschalten. Diese »Genschere« Crispr-Cas9 funktioniert bei einzelnen Basen, ganzen Genabschnitten und auch an mehreren Stellen zugleich (Multiplexing). Zusammen mit dem Enzym Cas9 wird eine sogenannte „Lotsen“-RNA an jene Orte im Erbgut geführt, die »umgebaut« werden sollen. Der Umbau kann kleine oder große, einzelne oder viele Abschnitte betreffen. Solche Veränderungen können zu neuen Gen-Kombinationen führen, die nicht durch konventionelle Züchtung hergestellt werden können.

Die Entdeckung des Crispr-Cas9 Mechanismus löste einen wahren Run von Risikokapitalgebern und Investoren auf die Biotech-Branche aus: Die »neue« Gentechnik war geboren. Sie soll die Heilsversprechen der alten Gentechnik, die diese nie zu erfüllen vermochte, Wirklichkeit werden lassen: genmanipulierte Pflanzen, die die Erträge steigern, den Hunger in der Welt besiegen, Pestizide überflüssig machen und dem Klimawandel trotzen. Diese Versprechen der Agrarkonzerne sind verführerisch, doch die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen beweisen, dass bisher jeweils genau das Gegenteil eingetreten ist.

Da die überwältigende Mehrheit der Verbraucher Gentechnik aufgrund ihrer Risiken ablehnt und auch 75 % der Landwirte eine Gentechnik-Kennzeichnung befürworten, soll das richtige »Wording« dafür sorgen, das der Verbraucher die »neue« Gentechnik möglichst gar nicht mehr mit der »alten« Gentechnik in Verbindung bringt. Gern wird daher statt von Gentechnik von »Präzisionszüchtung«, »neuen Züchtungsverfahren« oder von »Genome Editing« (Genomchirurgie) gesprochen. Die Gentechnikindustrie stellt »Genome Editing« dabei gern als ein beherrschbares, gut überschaubares Verfahren vor. So, wie ein Programmierer Computerprogramme umschreibt, sollen lebende Organismen gentechnisch »umprogrammiert« und »optimiert« werden. Was diese Darstellung jedoch verschweigt: ein Gen hat nicht nur eine Wirkung. Auch einzelne kleine Veränderungen können in der Summe zu ganz neuen Eigenschaften der Organismen führen, deren Auswirkungen auf das Individuum und auf das das Ökosystem überhaupt nicht vorausgesehen werden können.

Die »neue« Gentechnik, der EuGH und der Ethikrat

2018 bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in seinem Grundsatzurteil zur neuen Gentechnik die Position von Verbrau­cher- und Um­welt­schüt­zer*innen und unab­hängigen Wis­­senschaft­ler*innen: Auch »neue« Gentechnik ist Gentechnik und fällt unter die EU-Gentechnik-Gesetzgebung. Künstlich erzeugte Organismen dürfen nicht ungeprüft als großes Freilandexperiment in die Umwelt gelangen. Das Vorsorgeprinzip und die Anforderungen an das Zulassungsverfahren sowie die Bewertung von Gesundheits- und Umweltrisiken, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit gelten uneingeschränkt auch für alle neuen GVOs.

Wegen der tiefgreifenden Folgen von Crispr fordert auch der Deutsche Ethikrat eine weitgespannte Diskussion und internationale Regulierung. »Es braucht eine intensive gesellschaftliche Debatte darüber, was wir mit der neuen Technik anstellen wollen«, so der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Prof. Peter Dabrock. »Wir dürfen die Entscheidungen nicht nur den Wissenschaftlern überlassen.«. Und schon gar dürfen wir sie der Gentechnik-Industrie und ihren Gewinninteressen überlassen.

Wie sicher ist die »Genschere« Crispr/Cas?

In der Diskussion um die Sicherheit der neuen Gentechnik wird von deren Befürwortern oft auf die zielgerichtete Präzision der Genschere Crispr-Cas9 verwiesen: Im Unterschied zur konventionellen Züchtung, wo man keinen Einfluss darauf habe, wo welche Mutationen auftauche, könne mit der Genschere exakt bestimmt werden, wo Mutationen stattfinden sollen.

Off-Target-Effekte

Doch so präzise, wie oft behauptet wird, scheint die Genschere nicht immer zu arbeiten. Britische Forscher berichten in Nature Biotechnology von Genverlusten und von Verlagerungen ganzer Abschnitte des Erbguts, was Fragen zur Sicherheit des Verfahrens aufwirft (2018; doi: 10.1038/Nbt.4192). Auch Kevin Esvelt von der Harvard University wies 2018 bei der Jahrestagung des Deutschen Ethikrats in Berlin auf mögliche Off-Target-Effekte hin.

Generell kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Genschere Crispr-Cas9 den Nicht-Zielbereich des Genoms immer unangetastet lässt. Um nämlich die gewünschte Stelle im Erbgut anzusteuern, wird im Crispr-Verfahren eine Sonde (Guide RNA) aus RNA-Abschnitten konstruiert, die das komplette Genom nach der Gensequenz durchsucht, die herausgeschnitten werden soll. Doch die Erkennungssequenz der Ziel-Basenpaare kann im Genom auch mehrfach vorkommen, und dann schneidet die Genschere auch außerhalb des Zielbereichs. So kann es es zu ungewollten Ummodellierungen des Erbguts an Stellen kommen, die eigentlich nicht angesteuert werden sollten. Diese »Gen-Programmierfehler« nennt man Off-Target-Effekte. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass so etwas passiert, ist derzeit noch unklar. Ein Team um den Genetiker Allan Bradley vom Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge hat nach der Anwendung der Genschere teilweise größere Genverluste in den Zellen nachgewiesen, darunter Löschungen von mehreren tausend Basenpaaren, aber auch komplexe Umlagerungen von Genen.

On-Target-Effekte

Ein potentielles Risiko sind auch ungewollte Veränderungen durch den Einbau zellfremder DNA in das Genom. So beim Einschleusen der DNA in die Zelle, die als Vorlage für die Herstellung der sogenannten Cas-Nuklease der Crispr-Cas Genschere dient. Solche DNA-Fragmente können, auch wenn sie zunächst nicht im Erbgut verankert sind, für einen längeren Zeitraum innerhalb der Zellen verbleiben und am Zielort (On-Target) unbeabsichtigt in das Erbgut mit einfügt werden.

Exon-Skipping-Effekte

Ein weiterer möglicher Nebeneffekt von CRISPR/Cas-Veränderungen ist das sogenannte Exon-Skipping. Dabei werden die veränderten Genabschnitte anders abgelesen, als dies beabsichtigt war. Die daraus gebildeten Proteine können ungewollte Eigenschaften aufweisen. Manchmal werden auch weiterhin die ursprünglichen Proteine in der Zelle gebildet, obwohl das zugrundeliegende Gen ausgeschaltet wurde. Beim Ablesen und Zusammensetzen von Proteinen aus einer DNA-Sequenz gibt es Bereiche, die in die Aminosäuresequenz des Proteins übersetzt werden (Exons), und andere, dazwischen liegende Bereiche (Introns), die herausgeschnitten werden. Zwischen einem Exon und einem benachbarten Intron liegen DNA-Sequenzen, die Anfang und Ende beider Elemente markieren. Bereits eine kleine Veränderung der DNA-Sequenz kann dazu führen, dass sich der „Leserahmen“ verschiebt und Gene anders abgelesen werden. Dadurch können einzelne Exons übersprungen werden und irrtümlich gebildete, verkürzte Proteine entstehen. Diese können immer noch funktionell in der Zelle arbeiten, aber im Vergleich zum normalerweise gebildeten Protein veränderte Funktionen aufweisen.

Kaskadeneffekte

Aus der Genauigkeit des Schneidens per se Sicherheit abzuleiten, wäre falsch: Denn es kommt auch auf die Wechselwirkungen der Gene untereinander und dann wiederum auf ihr Wechselspiel mit der Umwelt an. Sind Systeme, beispielsweise Ökosysteme oder Organismen, in schwer überschaubarer Weise miteinander verknüpft, entstehen Kaskadenrisiken. Die Auswirkungen einer punktuellen Veränderung auf der Ebene des Genoms können im komplexen Zusammenspiel des Organismus ganz anders sein als beabsichtigt. Durch Wechselwirkungen mit anderen Genen kann sich beispielsweise die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe von Pflanzen verändern. Dies wiederum kann die Interaktionen mit Bestäubern, Bodenorganismen oder Nahrungsketten beeinflussen. Diese kaskadierenden Auswirkungen sind zum Teil schwer zu entdecken, weil es hier nicht ausreicht, nur die Struktur der DNA zu untersuchen. Stattdessen müssten Stoffwechselvorgänge in der Zelle genauer untersucht werden und die Auswirkungen auf komplexe Ökosysteme.

Kann die neue Gentechnik Bienen vor Krankheiten schützen?

Ein Wissenschaftler*innen-Team um Nancy Moran von der University of Texas hat in Laborexperimenten ein natürlicherweise im Verdauungstrakt von Bienen lebendes Bakterium (Snodgrassella alvi) gentechnisch so verändert, dass es bestimmte Ribonukleinsäure-Moleküle (RNA) im Darm der Bienen freisetzen kann. Über den sogenannten RNA-Interferenz-Mechanismus (RNAi) können so lebenswichtige Gene des Bienenparasiten Varroamilbe und des bienenschädigenden Krüppelflügelvirus stillgelegt werden. Die Bienenschädlinge sollen auf diese Art abgetötet werden, um Bienen für einige Zeit gegen diese Krankheitserreger zu schützen.

Die Idee der Forscher*innen ist es, Bienen die gentechnisch veränderten Bakterien ins Futter zu geben, damit diese sich im Darm der Bienen ansiedeln. Die GV-Bakterien könnten sich dann auch auf alle anderen Bienenvölker sowie auf Wildbienen und Hummeln ausbreiten, in denen das Bakterium Snodgrassella alvi natürlicherweise vorkommt. Zudem könnten die genetischen Informationen auch auf andere Bakterien übertragen werden (»horizontaler Gentransfer«). Da Bakterien außerordentlich schnell mutieren, lässt sich auch nicht ausschließen, dass die GV-Bakterien ihre Wirkungen auf andere Tiere und auf den Menschen übertragen. So würde sich die tödliche RNA-Interferenzwaffe nicht rückholbar und mit schwer kalkulierbaren Risiken im Ökosystem verbreiten. Der Bienenfachmann und Neurobiologe Prof. Dr. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin hält dies für »nicht verantwortbar«.

Die eingeschleusten RNA-Abschnitte, welche die GV-Bakterien ständig produzieren, werden nicht nur im Darm ausgeschüttet sondern sind auch in anderen Organen der Biene nachweisbar. Durch den RNAi-Mechanismus kann das empfindliche und – beispielsweise durch Pestizide – bereits stark belastete Immunsystem der Biene weiter »getriggert« und hochgefahren werden. Die Nebenwirkungen und möglichen subletalen Effekte dieser künstlichen »Daueraktivierung« des Immunsystems der Biene sind bisher nicht untersucht worden.

Selbst wenn die genveränderten Bakterien ohne Nebenwirkungen arbeiten würden, würden die Bienenparasiten sehr wahrscheinlich eine Resistenz gegen die Designer-RNA entwickeln, so der Zoologe Robert Paxton von der Uni Halle. Am Ende würden wohl einige Milbenpopulationen resistent werden und überleben. »Dann müssten wir auch die Bakterien wieder entsprechend gentechnisch umbauen. Es bliebe wohl ein Wettrüsten.« so Paxton.

Wäre die Büchse der Pandorra einmal geöffnet, könnte sich kein Imker vor dem Befall seiner Bienen mit den gentechnisch veränderten Bakterien schützen. Der Honig  gentechnisch veränderter Bienenvölker bliebe weitgehend unverkäuflich.

Es existieren bereits ökologisch verträgliche Methoden zur Varroabekämpfung. Die Rettung der Bienen vor Schädlingen kann mit imkerischer Expertise und ökologisch verträglich erreicht werden. Diese Methoden sind seit vielen Jahren erprobt. Die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen als tödliche RNA-Interferenzwaffe birgt unabsehbare Risiken für Honig- und Wildbienen sowie Hummeln und andere Insektenpopulationen.

Können Gene Drives wirklich ganze Arten ausrotten?

Ja. Die Gene Drive Technologie ist dazu angelegt, die natürlichen Vererbungsregeln mittels Gentechnik auszuhebeln. Eine gentechnisch herbeigeführte Eigenschaft kann durch den Einbau eines Gene Drives nicht nur wie gewöhnlich an 50 % der Nachkommen weitervererbt werden, sondern an nahezu alle Nachkommen. Mittels einer durch den Gene Drive ausgelösten gentechnischen Kettenreaktion kann beispielsweise Sterilität in einer Population verbreitet oder nur noch männliche Nachkommen geboren werden – womit Populationen – oder theoretisch auch eine Art weltweit – über mehrere Generationen zum Zusammenbruch und damit zur Ausrottung gebracht werden kann. Das Hauptziel für solche Anwendungen sind Insekten und Säugetiere, die als Agrarschädlinge gelten, Krankheiten übertragen oder in fremde Ökosystem eingeschleppt worden sind, wo sie dann Schäden verursachen.

Diese noch junge Technologie wurde bislang ausschließlich im Labor getestet. Erste Freisetzungsversuche sind jedoch mit Gene Drive Mücken in Burkina Faso in Planung. Jede Freisetzung – auch zu Versuchszwecken – wäre jedoch ein Ernstfall: Gene Drive Organismen verhalten sich höchst invasiv und breiten sich wahrscheinlich – auch grenzübergreifend – in jedem Lebensraum aus, in dem sie lebensfähig sind. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine Möglichkeit ihrer räumlichen Eingrenzung, noch Möglichkeiten, die gentechnische Kettenreaktion zu stoppen oder auch Gene Drive Organismen aus der Natur zurückzuholen und deren Effekte rückgängig zu machen.

Auch ihre Auswirkungen und Risiken auf Ökosysteme, Nahrungsnetze oder die menschliche Lebensmittelsicherung sind nicht absehbar. Eine staatliche Umweltrisikobewertung nach international abgestimmten Kriterien liegt genauso wenig vor wie eine Technikfolgenabschätzung. Spezifische gesetzliche Regeln zum Umgang mit Gene Drive Organismen fehlen sowohl in Deutschland als auch auf EU- und UN-Ebene.

Um erste Freisetzungsversuche zu verhindern, braucht es deshalb schnellstmöglich einen weltweit gültigen Beschluss, der die Freisetzung von Gene Drive Organismen untersagt. Ein solches Moratorium müsste auf der nächsten Vertragsstaatenkonferenz der UN Biodiversitätskonvention (CBD COP 15) beschlossen werden, die im Oktober 2020 tagen sollte (Datum von vor der Corona-Krise). Für die Positionierung der EU spielt die deutsche Bundesregierung eine entscheidende Rolle. Während ihres Vorsitzes der EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 kann sie entscheidend dazu beitragen, dass die Forderung des Europäischen Parlaments für ein Moratorium auf die Freisetzung von Gene Drive Organismen auch vom EU-Ministerrat übernommen wird.

Weitere Informationen zu Gene Drives finden sich auf der Website »Stop Gene Drives« unseres Kampagnenpartners Save Our Seeds. Dessen Petition zu Gene Drives wird durch Ihre Unterschrift auf dieser Petition »Schützt die Biene vor Gentechnik« ebenfalls unterstützt. Ihre Stimme zum Schutz der Bienen unterstützt also auch die Forderung nach einem Freisetzungsverbot für Gene Drive Organismen in der EU und einem globalen Moratorium auf die Freisetzung von Gene Drive Organismen mittels der UN-Biodiversitätskonvention.

Globalisierung, Bio-Hacker und Transhumanisten: Welche Grenzen setzen wir der neuen Gentechnik?

Bio-Hacker und »Transhumanisten«

Mit der Genschere Crispr sind brisante ethische Fragen und neue Gefahren aufgetaucht, die von den Befürwortern der neuen Gentechnik gern heruntergespielt werden. Sogenannte Bio-Hacker, private Do-it-Yourself Gen-Bastler möchten die Technik gern für die Allgemeinheit verfügbar machen und verschicken Crispr-Baukästen in alle Welt. 2017 warnten deutsche Behörden vor mit Krankheitserregern verseuchten Experimentierkästen für Biohacker der kalifornischen Firma „The Odin“. In den USA versuchen Biohacker bereits, ihr eigenes Erbgut zu verändern. Sie nennen sich Transhumanisten. Der Philosoph Stephan Lorenz Sorgner gilt als einer der bekanntesten Vertreter des Transhumanismus. Er befürwortet nicht nur Selbstexperimente mithilfe von Gentechnik. Sondern auch die gentechnische Veränderung von Embryos und Kindern durch ihre Eltern. Das sei nichts anderes als Erziehung oder Impfen, argumentiert Sorgner.

Globalisierung

Es fehlen internationale Standards und Vorsorgemaßnahmen, um dem Missbrauch der neuen Gentechnik bei kriminellen oder terroristischen Anwendungen vorzubeugen. Der nationale Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, führte 2016 »Genome Editing« in einer Bedrohungsanalyse des US-Geheimdienstausschusses im Abschnitt über Massenvernichtungswaffen neben koreanischen Nuklearwaffen und chemischen Waffen aus Syrien und dem Irak auf.

Doch auch ohne leichtsinnige Bio-Hacker, Kriminelle oder Terroristen hätte eine Flut neuer, schlecht getesteter GMOs in Zeiten globalisierter Handelsketten und weltweiten Tourismus das Potential, in kürzester Zeit erheblichen Schaden in den Ökosystemen der Welt anzurichten. Am Beispiel des Covid19-Virus sehen wir gerade, mit welcher Geschwindigkeit sich Gensequenzen in unserer globalisierten Welt verbreiten können. Die Freisetzung einer Vielzahl schlecht getesteter GMO´s wäre daher unverantwortlicher denn je. Es wäre unmöglich, sie je wieder aus der Umwelt zurückzuholen, sollte sich herausstellen, dass sie negative Effekte auf das komplexe Ökosystem haben.

Bitte empfehlt die Petition Biene und Gentechnik auch im Netz weiter:

Unterschriftenliste

Schützt die Biene vor Gentechnik!

Die Biene ist ins Fadenkreuz der »neuen Gentechnik« geraten. Unter dem Vorwand sie schützen zu wollen, greifen Biotechnolog*innen tief ins Erbgut der Honigbiene ein, etwa um sie pestizidresistener zu machen.

Wir fordern von der Bundesregierung:

Schützt die Biene vor Gentechnik!

Das Gentechnik-Grundsatzurteil des EuGH darf nicht dereguliert werden.

Keine Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen, deren Ausbreitung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann.

Keine Freisetzung von Gene Drive Organismen gemäß der Resolution des Europäischen Parlaments.

Jetzt Unterschriftenliste runterladen, ausdrucken und Unterschriften sammeln!

Jetzt herunterladen (pdf, 537 KB)

Nicht die Natur muss verändert werden, sondern unser Umgang mit ihr!

Die Aurelia Stiftung für die Bienen

Die Aurelia Stiftung ist eine operativ tätige Umweltstiftung mit Sitz in Berlin, die sich für Bienen, bestäubende Insekten und den Erhalt der Artenvielfalt einsetzt. Die besondere Stärke der Aurelia Stiftung besteht darin, dass sie sich ganz und gar den Bienen und ihren Lebensbedingungen in Natur, Agrarlandschaft und Siedlungsräumen widmet. Als unabhängige Fachexpertin beraten wir Politik, Medien und Zivilgesellschaft und kämpfen als Anwältin der Bienen gegen die Zulassung bienenschädlicher Pestizide und Gentechnik. Wir stärken die Forschung und Allgemeinbildung über Bienen und setzen uns für eine bienenfreundliche Gestaltung von Stadt und Land(wirt)schaft ein. Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt legen wir aktuell auf die Organisation und Vernetzung basisdemokratischer Volksinitiativen für die Rettung der Artenvielfalt.

Mehr unter www.aurelia-stiftung.de

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