94 Verbände fordern: Gentechnik auch in Zukunft strikt regulieren!

In einem gemeinsamen Positionspapier warnen 94 NGOs, darunter die Aurelia Stiftung: Die Gentechnikfreiheit Deutschlands und Europas ist bedroht! Gentechnik darf nicht dereguliert werden, das Vorsorgeprinzip muss erhalten bleiben.

Seit Jahren machen sich Industrie und Gentechnik-Befürworter*innen dafür stark, mit Gentechnikverfahren wie CRISPR/Cas hergestellte Lebensmittel von der Gentechnik-Risikoprüfung auszunehmen und ohne jede Kennzeichnung auf unsere Teller zu bringen. Dabei lehnen über 80 Prozent der Verbraucher*innen in Deutschland Gentechnik auf ihrem Teller und auf dem Acker ab.

In einem heute veröffentlichten Positionspapier warnt ein breites Bündnis aus 94 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Verbänden aus den Bereichen Umwelt-, Tier- und Naturschutz, Entwicklungspolitik, Kirchen, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Züchtung, Lebensmittelwirtschaft, Imkerei sowie Initiativen aus der Jugend- und Klimaschutzbewegung vor einer schleichenden Gentechnik-Deregulierung: Die Wahl- und Gentechnikfreiheit in Deutschland und Europa sei bedroht und die Sicherheit von Mensch und Umwelt gefährdet. An der Erstellung des Papiers hat die Aurelia Stiftung maßgeblich mitgewirkt.

Lobby-Einflüsse bei EU-Studie geben Anlass zur Sorge

Anlass für die gemeinsame Stellungnahme der NGOs liefert eine aktuelle Studie der EU-Kommission zum Rechtsstatus neuer Gentechnikverfahren, die demnächst veröffentlicht wird. Wie aus einem Lobby-Report von GLOBAL 2000 und Friends of the Earth hervorgeht, wurden für diese Gentechnik-Studie verschiedene Interessengruppen befragt. 74 Prozent der Befragten kamen dabei aus der Industrie, die von einer Deregulierung profitieren würden. 14 Prozent waren NGOs, zehn Prozent kamen aus der Landwirtschaft und nur zwei Prozent der Befragten waren Forschende.

In ihrem Positionspapier warnen die NGOs vor grundlegenden Risiken von Gentechniken wie CRISPR/Cas, mit denen sich das Erbgut lebender Organismen gezielt verändern lässt, sowie vor grundsätzlichen Problemen für das Ökosystem wie Auskreuzung, Kontamination und Nicht-Rückholbarkeit. „Gentechnik dient als Werkzeug der Aufrechterhaltung der exportorientierten, klima- und biodiversitätsschädigenden Ausrichtung auf industrielle Landwirtschaft und industrielle Tierhaltung“, kritisieren die NGOs. Sie appellieren an die Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass Gentechnik auch in Zukunft strikt reguliert wird.

„Gentechnik ist Teil des Problems, nicht der Lösung“

Nach Einschätzung des NGO-Bündnisses soll mithilfe von Gentechnik ein Agrarsystem fortgeführt werden, das viele der Probleme erst geschaffen hat, mit denen die Landwirtschaft heute konfrontiert ist. Die industrialisierte Landwirtschaft zählt zu den großen Emittenten von Treibhausgasen und trägt zu Bodendegradation und weiteren Umweltbelastungen bei. Gerade in Kombination mit Gentechnik ist sie für den massiven Einsatz von Pestiziden und den Verlust der (Agro-)Biodiversität verantwortlich.

Bernd Rodekohr, Projektleiter Gentechnik bei der Aurelia Stiftung, erklärt:
„Es geht um einen milliardenschweren Markt: die industrielle Intensivlandwirtschaft. Schädlingsanfällige, artenschädigende Monokulturen für die klimaschädliche Massentierhaltung brauchen chemisch-synthetische Pestizide. Die allerdings will die EU-Kommission bis 2030 um 50 % reduzieren. Profitieren würde der Ökolandbau, der ohne chemisch-synthetische Pestizide auskommt. Daher möchte die Agro-Industrie Gentechnik als Pestizidnachfolger etablieren: Gentechnik soll die klimaschädliche industrielle Intensivlandwirtschaft aufrecht erhalten und Industriegewinne sichern.“

Wer die Forderung der 94 NGOs unterstützen möchte, kann die Petition „Schützt die Biene vor Gentechnik“ der Aurelia Stiftung unterzeichnen. Die Petition setzt sich wie das Bündnis für eine strikte Regulierung der Gentechnik, für das Vorsorgeprinzip und die Wahlfreiheit für Bürger- und Verbraucher*innen sowie für ein weltweites Moratorium der Freisetzung von Gene Drive Organismen entsprechend der Resolution des Europäischen Parlaments ein.

Dieser Artikel erschien zuerst bei www.aurelia-stiftung.de

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